Ausgabe 02/2026
SparBalu
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Kleinanzeigen vs. Vinted — Marktübersicht 2026

Rund 38 Millionen Nutzer:innen verwenden Kleinanzeigen, rund 22 Millionen Vinted. Beide Plattformen bedienen unterschiedliche Märkte und unterschiedliche Risikoprofile. Wir vergleichen Gebührenmodell, Käuferschutz und Versand — ohne eine als die bessere zu erklären.

Kleinanzeigen vs. Vinted — Marktübersicht 2026

Der deutsche Secondhand-Markt hat zwei dominierende Plattformen, und sie sind so unterschiedlich, dass die Frage „welche ist besser?” am Thema vorbeigeht. Kleinanzeigen (vormals eBay Kleinanzeigen, 2024 ausgegliedert und an Adevinta verkauft) und Vinted (litauisch, seit 2008, in Deutschland seit 2019 stark im Wachstum) bedienen unterschiedliche Warengruppen, arbeiten mit unterschiedlichen Bezahlmodellen und schützen Käufer:innen unterschiedlich. Wir vergleichen Zahlen aus offiziellen Pressemitteilungen, der Adevinta-Investorenkommunikation 2024 und Verbraucherzentralen-Beobachtungen.

Nutzerzahlen, Kategorien, Gebühren

Beide Plattformen veröffentlichen monatlich aktive Nutzer:innen — die Zahlen sind als Größenordnung zu lesen, weil Definitionen leicht abweichen.

KennzahlKleinanzeigenVinted
Monatlich aktive Nutzer:innen (DE, 2025)~38 Mio.~22 Mio.
Aktive Anzeigen (DE)~55 Mio.~140 Mio. (DE-Teilmenge unklar)
HauptkategorienMöbel, Elektronik, Fahrräder, AutoBekleidung, Schuhe, Accessoires
Bezahlmodell für Verkäufer:innenKostenlos für Privat, Premium ab 4,90 €Kostenlos für Verkäufer:innen
Bezahlmodell für Käufer:innenKeine Plattform-Gebühr0,70 € + 5 % Käuferschutz-Gebühr (seit Mai 2024)
Plattform-KäuferschutzÜber PayPal Käuferschutz oder Sicher bezahlen (optional)Standard, in Käuferschutz-Gebühr enthalten

Die Marktanteils-Differenz ist nicht das Hauptdifferenzierungsmerkmal. Wichtiger ist das Kategorien-Profil. Wer eine Couch verkaufen oder ein Fahrrad kaufen will, wird bei Vinted praktisch nicht fündig. Wer ein Marken-T-Shirt zum Preis von 8 € sucht, wird bei Kleinanzeigen eher selten ein passendes Angebot finden. Die Plattformen sind nicht Ersatz füreinander, sondern Ergänzung.

Ein zweites wichtiges Differenzierungsmerkmal ist das Käuferschutz-System. Vinted hat seit Mai 2024 die sogenannte Käuferschutz-Gebühr (0,70 € pauschal plus 5 % vom Artikelpreis, gedeckelt auf 19,00 €) eingeführt. Im Gegenzug deckt der Plattform-eigene Schutz Nichtlieferung, schwere Mängel und Betrugsfälle ab. Bei Kleinanzeigen ist Käuferschutz nur über die freiwillige Funktion „Sicher bezahlen” verfügbar — ohne diese gibt es keinen Plattform-Schutz, sondern nur den über PayPal (sofern „Waren und Dienstleistungen” gewählt wurde, nicht „Freunde und Familie”). Diese Unterscheidung ist entscheidend: Ein erstaunlich großer Anteil der Betrugsfälle bei Kleinanzeigen basiert darauf, dass Käufer:innen gedrängt werden, „Freunde und Familie” auszuwählen — wodurch der Schutz entfällt.

Die Verbraucherzentrale NRW hat 2024 berichtet, dass die Zahl der Betrugsmeldungen bei Kleinanzeigen rund dreimal so hoch ist wie bei Vinted, gemessen pro 1.000 Transaktionen. Die Vinted-Käuferschutz-Gebühr — auch wenn sie unter Käufer:innen unpopulär ist — kauft also eine messbare Sicherheit.

Versand, Pro und Contra

Beim Versand ist Vinted einfacher. Käufer:innen wählen aus den Plattform-Versandoptionen (DHL, Hermes, DPD), zahlen über die Plattform, Verkäufer:innen drucken das Versandlabel direkt aus. Verluste durch falsche Adressen oder unklare Versandkosten kommen praktisch nicht vor. Bei Kleinanzeigen ist Versand entweder selbst zu organisieren (PayPal-Risiko, Adress-Diskussionen, Versandkosten-Streit) oder über die plattform-eigene „Sicher bezahlen”-Funktion mit DHL-Integration. Im zweiten Fall ist die Erfahrung mit Vinted vergleichbar — aber nur, wenn beide Seiten den Service nutzen.

Für Möbel und größere Geräte ist die Frage Versand vs. Abholung praktisch immer Abholung. Hier glänzt Kleinanzeigen mit seinem lokalen Inserate-Modell und dem PLZ-Filter. Vinted spielt in dieser Kategorie keine Rolle.

  • Pro Kleinanzeigen: Größtes Sortiment in Deutschland. Beste Plattform für Möbel, Elektronik, Fahrräder, Großgeräte. Keine Gebühren für Verkäufer:innen (Premium-Funktionen optional). Lokale Abholung gut integriert.
  • Pro Vinted: Bestes Sortiment für Mode und Accessoires. Plattform-eigener Käuferschutz standardmäßig. Versandprozess vollständig integriert und unkompliziert. Internationale Käufer:innen-Reichweite (DE, FR, IT, ES, NL).
  • Contra Kleinanzeigen: Höheres Betrugs-Risiko ohne aktiv gewählten Käuferschutz. Versand-Logistik selbst zu organisieren. Anzeigen-Qualität schwankt stark.
  • Contra Vinted: Käuferschutz-Gebühr wird oft als unfair wahrgenommen, gerade bei kleinen Artikelpreisen (5 € Artikel + 0,95 € Gebühr = +19 %). Nicht für Möbel, Elektronik, Großgeräte. Begrenzte Verhandlungsoptionen (Preisvorschlags-Funktion, aber keine offene Verhandlung wie bei Kleinanzeigen).

Eine Empfehlung gibt es nicht — aber Hinweise

Wer regelmäßig Kleidung verkauft (Größenwechsel bei Kindern, Modewechsel, Größenwechsel bei sich selbst), wird mit Vinted effizienter arbeiten. Wer ältere Möbel, Werkzeug, Sportgeräte oder Elektronik in den Markt geben will, bleibt bei Kleinanzeigen. Es ist üblich und sinnvoll, beide Plattformen parallel zu nutzen, je nach Warengruppe.

Eine Beobachtung, die nicht in den Zahlen steht: Beide Plattformen sind in den letzten fünf Jahren deutlich kommerzieller geworden. Kleinanzeigen hat 2023 die Premium-Funktionen ausgebaut, Vinted hat 2024 die Käuferschutz-Gebühr eingeführt und beobachtbar mehr Werbung in den Feed integriert. Wer Secondhand kauft, um die kommerzielle Logik zu meiden, sollte sich nicht in der Illusion wiegen, dass diese Plattformen außerhalb dieser Logik stehen. Sie sind Marktplätze, und Marktplätze kosten Geld in der Erhaltung.

Was Plattformen für Verbraucher:innen wertvoll macht, ist auch hier nicht die Plattform selbst — sondern, dass es überhaupt einen funktionierenden Sekundärmarkt gibt. Eine 2024 ausrangierte Hose, die in zwei Jahren noch dreimal getragen wird, ist ein kleiner ökologischer Gewinn. Dass dieser Gewinn über eine Plattform-Gebühr von 5 % monetarisiert wird, ist im Verhältnis erträglich.

Ein kurzer Blick auf die Nebendarsteller zur Einordnung: Neben den beiden Großen existieren in Deutschland eine Reihe spezialisierter Anbieter — Momox für Bücher, DVDs und Markenmode mit Direktankauf-Modell; Rebuy mit ähnlichem Profil für Elektronik; Refurbed und Back Market für gebrauchte Smartphones und Notebooks mit 12-Monats-Garantie; Reverb für Musikinstrumente. Diese Nischen-Plattformen haben jeweils Marktanteile zwischen 1 und 4 % am Gesamt-Secondhand-Volumen, decken aber Kategorien ab, in denen Kleinanzeigen und Vinted schwach sind. Wer ein gebrauchtes iPhone mit Garantie kaufen will, ist bei Back Market besser aufgehoben als bei Kleinanzeigen — bei vergleichbarem Preisniveau, aber deutlich geringerem Risiko. Wer Bücher palettenweise loswerden will, kommt mit Momox in einem Vorgang weiter als mit hundert Vinted-Inseraten. Der Markt ist also breiter, als die Aufmerksamkeits-Geographie der beiden Großen vermuten lässt. Die Kunst des Secondhand-Kaufs liegt zu einem nicht unerheblichen Teil darin, die richtige Plattform für die richtige Warengruppe zu wählen.


Ressort: Gebraucht

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